Wer mit der Herde geht, läuft oft Ärschen hinterher!

*Vielen Dank an den tollen Zeichner Bodo Krevet jr.*

Diese Woche habe ich eine tolle Karikatur eines Freundes gesehen, auf der eine Herde Schafe abgebildet war und  jedes der Schafe zwangsläufig am Hinterteil des Vordermanns schnüffelt. Der Untertitel der Zeichnung war: „Wer mit der Herde geht, läuft oft Ärschen hinterher!“.

Je mehr ich über den Satz nachdachte, umso mehr kamen mir Geschichten von Bewerbern in den Kopf, die sich im übertragenen Sinne mit dieser „Weisheit“ decken. Man läuft sein ganzes Leben lang hinter Menschen her, von denen leider nur wenige den Ansprüchen genügen, die man an eine „echte“ Führungskraft stellt. Warum aber machen das Menschen trotzdem? Weil Sie hoffen, irgendwann einmal an Position 1 zu stehen? Doch wie vielen gelingt das wirklich?

Was aber sollte man tun, wenn man in der Herde ist und keine Chance hat, irgendwie an Position 1 zu kommen? Die Antwort hängt stark davon ab, wie Ihnen dieser Zustand – um bei dem Bild zu bleiben – tatsächlich stinkt. Vielleicht sind Sie zufrieden mit diesem Zustand. Wenn aber nicht, dann gilt es etwas zu tun.

Aus meiner Sicht gibt es 2 Möglichkeiten:

1. Sie machen sich selbstständig!

Das ist die schnellste Variante auf Platz 1 der Hierarchie zu kommen. Als ich das getan habe, sagten viele meiner Freunde: „Das ist aber schon ein ganz schönes Risiko!“. „Ja!“, habe ich gesagt. „Im Gegenzug weiß ich aber, ob ich morgen noch einen Job habe oder nicht!“. Und alleine das wiegt ein Teil des Risikos auf.

2. Suchen Sie sich einen Chef, der Ihr Talent erkennt und Sie entsprechend fördert!

Es soll tatsächlich Chefs geben, die wissen, was Sie können. Insbesondere im Mittelstand gibt es Unternehmer, die sehr zu schätzen wissen, dass es Menschen gibt, die darauf brennen produktiv zu arbeiten. Diese Chefs wissen, dass es ca. 15 Prozent der Mitarbeiter eines Unternehmens sind, die den Laden nach vorne bringen. Diese 15 Prozent gilt es zu identifizieren und Vertrauen zu schenken. Vertrauen heißt: einen Mitarbeiter auch mal auf eine noch unbekannte Weide zu stellen, ohne ihn zu kontrollieren. Einfach nur so. Nur damit er seine „Nase“ frei bekommt und zeigen kann, was in ihm steckt.

Und wenn Sie so einen Chef haben, dann bekommen Sie das, was ganz selten ist: Die Chance, selbstständig zu arbeiten, ohne das Risiko dafür zu tragen. Auch wissen Sie, ob Sie morgen noch einen Job haben, weil sie selbst beurteilen können, ob Sie sich für Ihr Unternehmen rechnen. Dennoch haben Sie für schwierigere Zeiten ein Umfeld, in dem man gemeinsam kämpft und durch die gemeinsame Stärke auch gewinnt.

Ich habe mich sehr früh selbstständig gemacht und konnte, aufgrund meiner geringen Ausgabesituation, verbunden mit einer geringen Investitionshöhe, das Risiko minimieren. Wäre ich aber heute zwischen 30 und 40 Jahren und würde mich über meinen jetzigen Job ärgern, weil es einfach zu viele „Hinterteile“ vor mir gibt, die mich trotz aller Versuche nicht überholen lassen, dann würde ich eindeutig Variante 2 wählen.

Vor diesem Hintergrund wundert es mich aber in Vorstellungsgesprächen, dass Kandidaten sich zwar über ihren jetzigen Chef beklagen, dennoch kaum Fragen zu ihrem möglichen nächsten Chef stellen. Auch beim Vorstellungsgespräch mit dem möglichen neuen Chef wird von Kandidatenseite wenig darauf geachtet, ob man sich „riechen“ kann.

Und mögliche Chefs machen sich wenig Gedanken darüber, ob sie dem möglichen Bewerber wirklich einen Arbeitsplatz bieten können, der diesen auf Dauer zufrieden stellt bzw. wie man diesem – sollte er das halten, was er verspricht – eine Weide bieten kann, in der er selbstständig „seinen“ Erfolg genießen kann.

Wie machen Sie das als Entscheider? Achten Sie darauf? Wenn ja, wie sieht das praktisch aus? Und falls Sie sich gerade bewerben: Wie finden Sie heraus, ob Sie in Zukunft – um beim Titel dieses Blogs zu bleiben – „Ärschen“ hinterherlaufen.

Lassen Sie es mich wissen!

Heiko Banaszak

2 Gedanken zu „Wer mit der Herde geht, läuft oft Ärschen hinterher!“

  1. Hallo Herr Banaszak,
    nicht dass wir einen Chef hätten, der einem nicht die noch unbetretene Weide gönnt. Im Gegenteil! Aber Ihr Text ist klasse und erinnert mich an frühere Zeiten. Gerade deshalb musste ich eben mächtig schmunzeln über das Gelesene. Jetzt kursiert der Text bei uns um und viele erinnern sich sicher ebenfalls belustigt an alte Bekannte. Vielen Dank und viele Grüße. Matthias Quinten

  2. Hallo Herr Quinten,

    es freut mich, dass der Artikel in Ihrem Unternehmen so regen Anklang findet.

    Danke für Ihren Kommentar. Ich bin sehr überrascht, wie viel Aufmerksamkeit dieser Blogbeitrag hervorgerufen hat. Habe viele ähnliche Mails bekommen!

    Liebe Grüße

    Heiko Banaszak

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