Wer ist Richard Lutz?

20130813_B-P_320-171_Zuschnitt sw_Seit längerer Zeit habe ich schon keinen Blogbeitrag mehr geschrieben, weil ich viele Themen bereits angeschnitten habe und Angst hatte, mich zu wiederholen. Einer meiner Mitgesellschafter bei unserem Schwesterunternehmen Personalglobal, der selbst einige DAX Vorstände besetzt hat, hat mich so nebenbei gefragt: „Herr Banaszak, kennen Sie Richard Lutz?“

Ehrlich gesagt musste ich kurz nachdenken, bis selbst mir als begeisterter Leser des Managermagazins der Name und der Zusammenhang wieder einfielen.

Sie kommen auch nicht sofort darauf? Den Namen sollten Sie eigentlich in den letzten Tagen gehört haben, denn Herr Lutz ist der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, dem Unternehmen, das von einer Pannenserie in die nächste gleitet. Sogar die „Einweihungsfahrt“ der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke Berlin-München ging schief und trotzdem hat man Herrn Lutz nicht gesehen.

Wer denkt, Herr Lutz sei neu im Amt, der irrt. Herr Lutz ist seit 2010 Vorstand der Deutschen Bahn und seit März 2017 Vorstandschef und Nachfolger von Herrn Grube. Herr Lutz kommt sogar aus Landstuhl und trotzdem ist dies, selbst im benachbarten Saarland, nahezu unbemerkt geblieben.

Als Vorstandschef haftet man eigentlich für die Fehler seines Unternehmens und steht dafür gerade. Von der Kanzlerin wird ja auch erwartet, dass sie bei jedem Unglücksfall Rede und Antwort steht und nicht ihren Pressesprecher vorschickt. Anders bei Herrn Lutz. Nachdem die Pannenserie nicht abriss und der auf Tauchstation gegangene Gesamtvorstand irgendwie doch mal ein Statement abgeben musste, schickte man die Fernverkehrschefin Birgit Bohle vor.

Wäre es aber nicht Aufgabe des CEOs gewesen, sich vor seine Mannschaft zu stellen, die Verantwortung zu übernehmen und die betroffenen Kunden um Verzeihung bitten? Da wünsche selbst ich mir Rüdiger Grube zurück, der sich in jeder Situation im übertragenen Sinne „die Schaffnermütze aufgesetzt hat“ und in der ersten Reihe stand; sei es bei der Einweihung neuer Strecken oder bei dem Ausfall der Klimaanlage in vielen ICEs.

Der CEO eines Konzerns wie der Deutschen Bahn sollte strategisch stark sein, aber auch Führungsstärke zeigen. Führungsstärke zeigt sich vor allem in Krisen. Schönwetterkapitäne braucht niemand. Wenn ein Schiff in eine Sturmnot gerät, dann gehört der oberste Offizier auf die Brücke ans Ruder.

Das erwarte ich nicht nur als Bahnkunde von einem Chef, der mit 900.000 Euro Grundgehalt auch ausreichend gut für diesen Job bezahlt wird. Wenn man bedenkt, dass der Ex-Chef Grube selbst in Verlustjahren mit über 500.000 Euro Bonus honoriert wurde, dann erwarte ich als Steuerzahler, der den „Hauptanteilseigner der Bahn“ jährlich mit Geld versorgt, eine gewisse Leistung.

Am Beispiel von Herrn Lutz zeigt sich aber eines recht deutlich: Die Treppe kehrt man immer von oben! Wie soll der „kleine Schaffner“ im Zug Verspätungen ordentlich kommunizieren, wenn er ein solches Vorbild hat. Kommunikation zeigt sich gerade im Bereich der Führung am deutlichsten. Hier hat der Bahnchef wohl echte Defizite, sonst würden Sie zumindest seinen Namen kennen.

Ich würde einen CEO nur bedingt fachlich besetzen, dafür gibt es Bereichsvorstände. Ein CEO muss im Bereich Gesamtstrategie, Führung und Kommunikation über alle Zweifel erhaben sein. Hier braucht es Schwergewichte und keine Leichtmatrosen.

Wie sehen Sie das? Lassen Sie es mich wie immer wissen!

Leider werde ich nach diesem Blogbeitrag bei der Bahn wohl keinen Auftrag mehr bekommen. Sollte mich aber der Aufsichtsratsvorsitzende Prof. Dr. Dr. Felcht anrufen, um den CEO-Posten neu zu besetzen, so wäre ich zur Stelle.

…Und sollte auch der Aufsichtsratsvorsitzende, wie in der Presse angekündigt, Ende März wechseln, so darf mich auch gerne jemand aus dem Finanzministerium anrufen…

Herzliche Grüße

Heiko Banaszak

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