Soll man auch mal als Unternehmer egoistisch handeln?

Darwinismus + Opportunismus = Darwiportunismus

Bitte entschuldigen Sie, dass ich Sie diese Woche mit einem eher philosophischen Blogbeitrag konfrontiere. Wie die emsigen Leser wissen, ist es normalerweise mein Wunsch, Ihnen jede Woche sofort umsetzbare Impulse mit auf den Weg zu geben. Das ist diese Woche anders. Ziel dieser Woche ist es, Ihre Aufmerksamkeit auf ein Phänomen zu lenken, das mein ehemaliger Chef Prof. Dr. Christian Scholz Darwiportunismus nennt.

Er ist der Meinung, dass wir grundsätzlich in einer Zeit leben, in der der Darwinismus eine große Rolle spielt. Nur die „Fittesten“ überleben; diejenigen, die sich nicht den Umweltbedingungen und dem Markt rechtzeitig anpassen können, verschwinden relativ schnell. Das gilt für Unternehmen ebenso wie für Individuen. Der Darwinismus bei Unternehmen zeigt sich in der natürliche Auslese derjenigen, die über den besten „Genpool“ verfügen. Dadurch verändern sich auch zwangsläufig Organisationstypen. Im darwinistischen Weltbild unterliegen sogar Begriffe wie die der sozialen Verantwortung und Fairness einer marktradikalen Selektion. Das ist uns nicht erst seit der Finanzkrise bewusst.

In diesen veränderten Unternehmen arbeiten zum Teil jedoch Mitarbeiter, die nicht mehr das Wohl des Unternehmens im Kopf haben, sondern alleine ihr eigenes Wohl. Ob Bonus oder schlicht karrieregetrieben spielt dabei keine Rolle. Viele Mitarbeiter wissen, dass die Beschäftigung im Unternehmen lediglich eine Beschäftigung auf Zeit ist. Deshalb verhalten sie sich oft opportun, d.h. sie maximieren nicht mehr das Wohl des Unternehmens, sondern in erster Linie ihr eigenes.

Scholz nennt das Zusammentreffen von Darwinismus und Opportunismus schlicht Darwiportunismus.

Ist das nicht eine schreckliche Vorstellung für einen Unternehmer, insbesondere für einen mittelständischen Familienunternehmer? Sie denken als Unternehmer daran, wie sie das Wohl des Unternehmens maximieren und gehen hierbei oftmals den schmerzlichen Weg, dass sie ihr eigenes Wohl hinter das Interesse des Unternehmens stellen. Das tun sie nicht zuletzt zum Wohle all Ihrer Mitarbeiter.

Sie hoffen natürlich, dass ihnen dies die Mitarbeiter danken und mit einem ebensolchen Verhalten honorieren, d.h. im Zweifel den eigenen Feierabend vielleicht opfern, um das Unternehmen nach vorne zu bringen.

Zum Glück haben gute Unternehmen immer auch eine ganze Menge solcher Mitarbeiter. Das macht ja auch das Arbeiten arbeitenswert. Dennoch begegnen Ihnen immer wieder auch Menschen, die ausschließlich an ihren eigenen Profit denken.

Hier gilt es aufzupassen, dass man dies auch erkennt. Nur wenn man das realisiert, weiß man, dass man auf diese Mitarbeiter nicht bauen sollte. Im Gegenteil: Man muss auch hier als Unternehmer opportunistisch sein und alleine den Nutzen, den der Mitarbeiter kurzfristig für das Unternehmen zu leisten im Stande ist, in den Mittelpunkt stellen.

Ich bin froh, dass ich sehr viele Mitarbeiter in meinem Unternehmen habe, die nicht alleine für sich selbst, nicht für mich sondern für die b+p Beratung und Personal arbeiten. Dennoch erlebe ich immer wieder auch Personen in meinem Umfeld, die anders agieren.

Hier gilt es als Unternehmer wachsam zu bleiben – und konsequent! Entscheiden Sie bewusst auf wen Sie in Zukunft bauen und wer ihrer Mitarbeiter eher nur sich selbst in den Mittelpunkt rückt.

Was ist mit denjenigen, die im Sinne des Darwinismus ihr eigenes Überleben und ihre eigenen, meist kurzfristigen Vorteile vor das Wohl des Unternehmens stellen? Stellen Sie sich dann doch einmal bewusst die Frage, ob es bei diesen Mitarbeitern Sinn macht, dieselbe Ethik anzusetzen wie bei Mitarbeitern, die im Zweifel auch mal ihr eigenes Wohl zugunsten des Unternehmens hintenan-stellen!

Zu welchem Ergebnis sind Sie gekommen? Lassen Sie es mich wissen. Ich frage mich das nämlich derzeit selbst gerade!

Liebe Grüße

Heiko Banaszak

post scriptum

Wer das Thema „Darwiportunismus“ einmal nachlesen will, kann dies gerne tun. Hier ist ein toller, eher wissenschaftlicher Artikel zu diesem Thema zu finden:

Volker Stein, Das Unternehmen als Vogelschwarm: Eine modelltheoretische Analyse des darwiportunistischen Szenarios, http://www.darwiportunismus.de/texte/dp_modell.pdf (Stand 20.03.2012)

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