Langweilige Unternehmen ziehen langweilige Mitarbeiter an

Ist das nicht schön? Sie gehen als Bewerber in einen Besprechungsraum und was finden Sie? Die üblichen Bürokekse, 0,25l Mineralwasserfalschen, die Kanne mit frisch gekochtem Kaffee und eine nette Sekretärin, die sie in den Raum begleitet. 5 Minuten später betritt der Chef zusammen mit einem Mitarbeiter den Raum, sie erhalten beide Visitenkarten und das Gespräch beginnt. Manchmal bekommt der Bewerber noch die Imagebroschüre des Unternehmens vorgelegt, wo in 5 Minuten die 80-jährige Geschichte des Unternehmens durchgegangen wird. Beginnend übrigens oft mit dem ersten LKW des Firmengründers.

Ich habe mich letzte Woche gefragt, ob man nicht an diesem Prozess schon irgendetwas verbessern kann. Müssen Besprechungsräume immer so aussehen? Gibt es nichts anderes als die üblichen Bürokekse? Sollte man nicht dem Kandidaten zunächst einmal die Gegenwart und die Zukunft des Unternehmens vermitteln und vielleicht an den Inhalten die historische Relevanz klarmachen?

Ich denke schon! Wie wäre es denn mit folgendem Vorgehen:

  • Der potenzielle Kandidat wird empfangen und bekommt zunächst einmal das Unternehmen gezeigt. Dabei sollte dies bereits von einem Mitarbeiter gemacht werden, der absolut positiv vom Unternehmen berichtet und mit dem sich der Kandidat identifizieren kann.

Vorteil: Der Kandidat erlebt das Unternehmen sehr authentisch. Nicht der Chef erzählt wie toll das Unternehmen ist, sondern ein möglicher Kollege. Gleichzeitig kann sich dieser einen Eindruck über den Kandidaten machen.

  • Der Kandidat wird vom Chef im Besprechungsraum empfangen und es werden ihm die üblichen Getränke angeboten. Vielleicht gibt es auch etwas Individuelleres als die Bürokekse.

Vorteil: Nicht der Kandidat wartet in einem leeren Raum, sondern die positive Stimmung nach dem Rundgang bleibt erhalten.

  • Bevor das eigentliche Bewerbungsgespräch anfängt, erläutert der Chef nochmal das Unternehmen aus seiner Perspektive. Der Schwerpunkt hierbei ist eindeutig auf die Zukunft zu fokussieren.

Vorteil: Der Kandidat bekommt schon Spaß am möglichen neuen Job bevor er von sich erzählt. Dabei wird er hoffentlich noch lockerer und entspannter. Je besser das gelingt, umso authentischer ist er im weiteren Verlauf. Dies wiederum steigert die Vorhersagewahrscheinlichkeit hinsichtlich der Eignung auf die neue Position.

  • Jetzt erst beginnt das eigentliche Vorstellungsgespräch.

Ich denke, dass der erste Moment unheimlich wichtig ist. Je langweiliger ein Unternehmen sich präsentiert, umso langweiligere Kandidaten werden Sie anziehen. Seien Sie interessant! Machen Sie sich interessant! Präsentieren Sie Ihr Unternehmen so authentisch und lebhaft wie möglich!

Sie werden in Zukunft immer mehr zum Botschafter Ihres Unternehmens werden. Die demographischen Effekte, verbunden mit der anhaltend guten Konjunktur, werden ihr übriges dazu beitragen.

Ein Gebrauchtwagenverkäufer verkauft Ihnen das Auto auch am besten, wenn Sie zuvor einmal darin Platz genommen haben. Erst danach geht es an den Computer und an das Datenblatt. Also erst begeistern, dann Fakten.

Warum sollte das in einem Bewerbungsgespräch, was heute bei engen Stellenprofilen eher ein Bewerbungsgespräch des Unternehmens beim Kandidaten ist, anders sein?

Als spannendes Unternehmen, das spannende Mitarbeiter möchte, müssen Sie sich auch so präsentieren!

Und selbst wenn es der Kandidat nicht ist und Sie ihn nicht nehmen möchten: Die Zeit ist gut investiert. Der Kandidat wird sich an Ihr Unternehmen und an Sie positiv erinnern. Und wie heißt es so schön: Man sieht sich immer zweimal im Leben!

Vielleicht sucht der langweilige Mitarbeiter beim langweiligen Unternehmen irgendwann einmal einen spannenden Lieferanten. Wäre doch nicht schlecht, wenn das in diesem Falle Sie sind, oder?

Wie ist Ihre Meinung dazu? Lassen Sie es mich wie jede Woche wissen!

Liebe Grüße

Heiko Banaszak

2 Gedanken zu „Langweilige Unternehmen ziehen langweilige Mitarbeiter an“

  1. Stimme voll zu. Sehr schön. Einzige Einschränkung: Langweilige Unternehmen werden auch nicht durch einen guten Vorstellungsprozess interessant und agil.

  2. Lieber Malte,

    Danke für Dein Feedback. Das stimmt schon, es wäre aber ein Anfang! Änderungsprozesse beginnen im Kopf und mit jedem spannenderen Mitarbeiter wird auch das Unternehmen spannender!

    Herzliche Grüße

    Heiko

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *