Sarrazin im Land des ehemaligen Exportweltmeisters – Warum die deutsche Wirtschaft durch den ungeschickten Umgang mit Immigranten ein großes Potenzial verspielt

Eine Umfrage unseres Tochterunternehmens, PERSONALGLOBAL aus Frankfurt, unter 200 international tätigen Unternehmen ergab, dass durch einen fehlerhaften Umgang mit Immigranten viel Potenzial verschenkt wird.

Auf die Frage: „Beschäftigen Sie in Ihrem Unternehmen hochqualifizierte Mitarbeiter mit Migrationshintergrund?“, antworteten 98,5 Prozent (197 von 200) der Unternehmen mit „Ja!“. Die Frage, ob man diesen Migrationshintergrund für das internationale Geschäft nutzt, beantworteten dagegen nur 52,5 Prozent (104 von 200) aller Unternehmen positiv.

Es drängt sich die Frage auf, ob Deutschland nicht vielleicht durch den falschen Umgang mit der „Ressource Mensch“ heute nicht mehr Exportweltmeister ist.

Warum nutzt man nicht gerade in exportorientierten Unternehmen die Mitarbeiter mit Migrationshintergrund an der dafür passenden Stelle?

Spätestens seit Sarrazin und der allgemeinen Diskussion über sein Buch „Deutschland schafft sich ab!“ zeigt sich, dass wir als Nation voller Ängste vor andersartigen Personen sind.

Gerade im Hinblick auf Boommärkte wie China, Indien und Brasilien wird deutlich, dass hier viele Unternehmen sehr konventionell vorgehen: Ein deutscher Mitarbeiter, der sehr gut Englisch spricht und im internationalen Vertrieb tätig ist, wird auserkoren, das Land für das eigene Unternehmen „aufzubauen“.

Das macht in Kerneuropa und im US-Geschäft vielleicht Sinn, da hier ein ähnlicher kultureller Background vorhanden ist. Im Chinageschäft haben jedoch viele Unternehmen gespürt, dass dieser Weg nicht der beste ist.

Warum aber nimmt man keinen Chinesen? Seit dem Jahr 2000 strömen jedes Jahr viele Chinesen nach Deutschland, um hier zu studieren. Viele arbeiten seit Studienende auch in Deutschland bei einem deutschen Unternehmen. Ein hoher Prozentsatz verfügt sogar über die deutsche Staatsbürgerschaft.

Es ist schon einige Zeit her, dass Thilo Sarrazin mit seinem Buch eine hitzige Diskussion zum Thema Immigration losgetreten hat. Seine Sorgen um die Qualität von Genen und Erziehung sind für die chinesischen Einwanderer des letzten Jahrzehnts ohne jede Basis. Sie bilden häufig die akademische Elite ihres Landes, sind wirtschaftlich nützlich für ihre Gastheimat und sie sind meist überaus pflichtbewusste Eltern, die mancher europäischen Mittelstandsfamilie als Vorbild dienen könnten. Trotzdem tun sich die Deutschen schwer.

Aber die Erfahrungen, gerade im Umfeld dieser hochqualifizierten und interessanten Personengruppe, zeigen, wie unfähig manche Unternehmen mit dieser Ressource umgehen.

Statt diese im Chinageschäft einzusetzen, arbeiten die Mitarbeiter bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber nicht in der ersten Reihe. Der Akzent in der deutschen Sprache und die nicht ausgeprägte Fähigkeit, sich selbst darzustellen, verhindert oftmals die Karriere.

Aber vielleicht liegt die eigentliche Ursache auch beim Thema Fremdheit und Vertrauen. Selbst wirklich gebildete Deutsche glauben mehrheitlich, einem Chinesen sei im Zweifel nicht zu trauen – diese Leute seien „potentielle Kopierer“ und „Ideendiebe“, wie eben für manche alle Moscheen als „Brutstätten von Terrorismus“ gelten. Die berechtigten Klagen über dreiste Diebstähle von Urheberrechten in China und deren mangelhafte Verfolgung haben hier zu einem nationalen Vorurteil geführt, das gut verwurzelt ist.

Wahrscheinlich geht es auch bei Herrn Sarrazin am Ende weniger um „das Recht einer jeden Gesellschaft, … auf die Wahrung seiner Kultur und seiner Traditionen zu achten“ oder darum, „dass Europa seine kulturelle Identität wahrt“, sondern es geht um das, was die Xenophobie seit Jahrhunderten ausmacht: Die Angst vor dem Fremden und das daraus folgende Misstrauen, für das sich immer rationale Belege finden lassen.

So einleuchtend manche seiner Thesen auf Anhieb erscheinen mögen – das Beispiel der Chinesen zeigt, dass die Deutschen sich schwer tun mit ihren Immigranten – ganz unabhängig von dem, was diese zu bieten haben.

Ein einzelner „Deutscher mit chinesischer Vergangenheit“ an der richtigen Stelle könnte für den Aufbau des Chinageschäftes unheimlich wertvoll und vielleicht sogar der Schlüssel zum Erfolg sein. Dennoch nimmt man lieber den gewohnten internationalen Vertriebsmann, schickt diesen in das ein oder andere bi-kulturelle Training und akzeptiert ein suboptimales Ergebnis, anstatt einen bi-kulturellen Chinesen direkt einzustellen.

Vielleicht schafft sich Deutschland auch deshalb irgendwann ab. Wer weiß?

Was meinen Sie? Lassen Sie es mich wie immer wissen!

Herzliche Grüße

Heiko Banaszak

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